Diesen Ratgebertext habe ich für LingQi TCM Head Spa München geschrieben. Er zeigt, wie ich Gesundheitsthemen für Studios schreibe: verständlich, mit Quellen und ohne Heil- oder Wirkversprechen. Wenn Sie solche Inhalte für Ihr Studio möchten: Kostenlose Erstanalyse anfordern.
Mehr Haare als sonst in der Bürste, auf dem Kopfkissen oder im Abfluss: Viele Menschen bemerken das über Wochen und suchen dann nach einer Erklärung. Stress wird dabei häufig genannt. Er ist jedoch nur einer von mehreren möglichen Auslösern.
Dieser Artikel erklärt, wie der Haarzyklus aufgebaut ist, was die Fachliteratur über den Zusammenhang von Stress, Cortisol und Haarausfall beschreibt, welche Formen von Haarausfall sich unterscheiden und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist. Zahlen und Aussagen sind mit Quellen belegt, die am Ende des Textes aufgeführt sind.
Jedes Haar durchläuft einen Zyklus. In der Wachstumsphase (Anagenphase) wächst es aktiv. Danach folgt die Ruhephase (Telogenphase): Das Haar sitzt noch im Follikel, bevor es ausfällt und ein neues Haar nachwächst. Die Wachstumsphase dauert Jahre, die Ruhephase einige Monate (DermNet: Alopecia areata).
Bei einer Person ohne Haarausfall befinden sich etwa 85 Prozent der Follikel in der Wachstumsphase und etwa 15 Prozent in der Ruhephase. Dass täglich bis zu etwa 100 Haare ausfallen, gilt als normal (DermNet: Telogen effluvium).
Unter anhaltender psychischer Belastung schüttet der Körper vermehrt Cortisol aus. Cortisol gehört zur Stresshormonachse des Körpers, der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse). Eine Literaturübersicht von Malta und Corso (2025) beschreibt als möglichen Mechanismus, dass eine dauerhaft erhöhte Cortisolbelastung Strukturen des Haarfollikels beeinflusst und Haare vorzeitig aus der Wachstumsphase in die Ruhephase verschiebt.
Stress ist damit ein möglicher Auslöser unter mehreren. Welche Rolle er im Einzelfall spielt, lässt sich ohne ärztliche Abklärung nicht sagen.
Telogenes Effluvium ist laut DermNet eine häufige Ursache für vorübergehenden, diffusen Haarausfall. Nach einem „Schock für das System“ geraten vermehrt Haare gleichzeitig in die Ruhephase und fallen später aus. Dabei können laut DermNet bis zu 70 Prozent der Haare aus der Wachstumsphase in die Ruhephase übergehen, sodass sich das übliche Verhältnis umkehrt.
Als typische Auslöser nennt DermNet unter anderem:
Mehrere Auslöser können zusammenkommen, und bei der chronischen Form lässt sich häufig keiner finden. Malkud (2015) weist darauf hin, dass vermehrter Haarausfall allein noch keine Ursache anzeigt: Um sie zu bestimmen, braucht es die Krankengeschichte und passende Laboruntersuchungen, die hormonelle, ernährungsbedingte und Autoimmun-Ursachen ausschließen.
Der vermehrte Haarausfall setzt nicht mit dem Auslöser ein, sondern verzögert. Nach den Angaben von DermNet und Malkud sieht der Verlauf so aus:
Weil der Auslöser meist Monate zurückliegt, fällt der Zusammenhang oft nicht auf. Der vermehrte Ausfall entsteht laut DermNet, weil nachwachsende Haare die ruhenden Haare aus dem Follikel schieben. Der gesamte Verlauf erstreckt sich über Monate; kurzfristig sichtbare Veränderungen sind nicht zu erwarten.
Nicht jeder Haarausfall ist gleich, und die Form lässt sich von außen nicht sicher bestimmen. Die Unterscheidung ist wichtig: Laut DermNet wird zum Beispiel ein chronisches Telogenes Effluvium leicht mit dem erblich bedingten Haarausfall der Frau verwechselt, obwohl sich das Vorgehen unterscheidet.
Vermehrter, gleichmäßiger Haarausfall nach einem oder mehreren Auslösern, etwa Stress, Erkrankungen mit Fieber, Nährstoffmangel, hormonellen Veränderungen oder Medikamenten. Beginnt typischerweise zwei bis vier Monate nach dem Auslöser. Quelle: DermNet.
Haarausfall mit starker erblicher Veranlagung. Bei Frauen zeigt er sich als diffuses Ausdünnen auf der Kopfhaut, bei Männern meist als zurückweichender Haaransatz und lichte Stelle am Oberkopf. Quelle: DermNet.
Gleichmäßiges Ausdünnen über den gesamten Kopf ohne kahle Stellen. Das Telogene Effluvium gilt als häufigste Ursache (Malkud 2015); weitere Gründe sind etwa Schilddrüsenerkrankungen oder Nährstoffmangel.
Autoimmunerkrankung der Haarfollikel, die typischerweise einzelne kahle Stellen auf der Kopfhaut verursacht. Ob und wie Stress beteiligt ist, wird in der Fachliteratur diskutiert (Malta, Corso 2025; DermNet).
Das Telogene Effluvium führt laut DermNet nicht zu vollständiger Kahlheit, kann aber eine erbliche Neigung zu Haarausfall sichtbar machen.
Haarausfall hat viele mögliche Ursachen. Eine ärztliche Abklärung, in der Hausarztpraxis oder bei einer Hautärztin oder einem Hautarzt, ist sinnvoll,
Bei der Abklärung geht es zunächst um die Krankengeschichte und um Untersuchungen, die andere Ursachen ausschließen (Malkud 2015). DermNet nennt als Beispiele die Schilddrüsenfunktion sowie die Werte für Eisen, Vitamin B12 und Folsäure. Ein Haarwurzelstatus (Trichogramm) mit mehr als 25 Prozent Haaren in der Ruhephase spricht laut DermNet stark für ein Telogenes Effluvium. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt erst die Untersuchung.
Auch Medikamente können Haarausfall auslösen (DermNet; Malta, Corso 2025). Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie darüber mit der verordnenden Praxis.
DermNet beschreibt das Telogene Effluvium als sich selbst korrigierend: Ein Nachwachsen setzt in der Regel ein, wenn der Auslöser entfällt. Das gilt für diese eine Form, nicht für jede Art von Haarausfall. Als allgemeine Hinweise nennt DermNet einen schonenden Umgang mit dem Haar (nicht zu kräftig kämmen oder bürsten) und eine ausgewogene Ernährung. Auch die seelische Belastung durch den Haarverlust selbst sollte nicht übergangen werden, und auch darüber kann ärztlich gesprochen werden.
Telogenes Effluvium ist eine Form des diffusen Haarausfalls, bei der vermehrt Haare gleichzeitig in die Ruhephase (Telogenphase) übergehen und später ausfallen. Auslöser können unter anderem psychischer Stress, Erkrankungen mit Fieber, Operationen, eine Geburt, Nährstoffmangel, Schilddrüsenerkrankungen oder bestimmte Medikamente sein. Stress ist also nur ein möglicher Auslöser unter mehreren. Der vermehrte Haarausfall zeigt sich typischerweise zwei bis vier Monate nach dem Auslöser (DermNet).
Der vermehrte Haarausfall beginnt typischerweise zwei bis vier Monate nach dem Auslöser. Nach einem Höhepunkt lässt er nach und normalisiert sich laut DermNet in den meisten Fällen über sechs bis neun Monate; in einigen Fällen bleibt die Erholung unvollständig. Bei der chronischen Form kann er über Jahre anhalten.
Wenn der vermehrte Haarausfall über mehrere Wochen anhält oder stark ist, wenn kahle Stellen entstehen oder wenn sich das Haar nach Monaten nicht erholt. Dabei werden andere Ursachen ausgeschlossen, zum Beispiel über die Schilddrüsenfunktion und die Werte für Eisen, Vitamin B12 und Folsäure (DermNet; Malkud 2015).
Diffuser Haarausfall ist ein Oberbegriff für gleichmäßiges Ausdünnen über den gesamten Kopf ohne kahle Stellen. Das Telogene Effluvium ist eine häufige Ursache dafür (Malkud 2015), aber nicht die einzige: Auch erblich bedingter Haarausfall, Schilddrüsenerkrankungen oder Nährstoffmangel können zu diffusem Ausdünnen führen.
Ein akutes Telogenes Effluvium kann Menschen jeden Alters und beider Geschlechter betreffen. Die chronische Form ohne klaren Auslöser tritt laut DermNet vor allem bei Frauen zwischen 30 und 60 Jahren auf. Malkud (2015) schreibt außerdem, dass sich Frauen mit Telogenem Effluvium häufiger bei Hautärzten vorstellen.